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Donnerstag, 24. Jänner 2002

Auf dem Boden der Realität

Ein mehr oder weniger niederschmetternder Tag

Sorry, no English version yet.

Der heutige Tag war von der Früh bis zum Abend vollgefüllt mit Terminen. Als erstes bin ich um 9:00 Uhr zur Sprechstunde von Prof. Archana Sathaye gegangen um zu versuchen in den Kurs Database Management Systems II hineinzukommen. Als ich in ihr Büro kam, hab ich all die Dinge zu ihr gesagt, die uns David Rudel, der Betreuer für Ausstauschstudenten, geraten hat: "Ich bin ein Austauschstudent auf Einladung der Universität für nur ein Semester und würde gerne ihren Kurs belegen, damit ich auf meiner Heimatuniversität mein Studium abschliessen kann und die Immigrationsbestimmungen erfülle... bla bla". Anstatt mich gleich in ihren Kurs zu nehmen hat sie mir aber gesagt, ich soll zum ersten Kurs gehen und mich dort auf die Warteliste eintragen :-(

Die nächste Station am Vormittag war dann eine Turnhalle am Campus in dem der Kurs Beginning Volleyball stattfinden sollte. Auch dort waren sehr viele Leute und der Trainer hat uns mitgeteilt, dass er nicht viele Leute in den Beginnerkurs aufnehmen kann, dass aber im Intermediatekurs noch einige Plätze frei wären. Wenn man schon ein paar mal Volleyball gespielt hat, könne man ruhig den Intermediate Kurs belegen, was ich dann auch gemacht habe. - Wow geschafft! Aber leider zählt dieser Kurs nur für eine Einheit.

Danach bin ich zurück ins Studentenheim um die Bewerbung für den Marketing Intern Job abzugeben. Dort hab ich Mika getroffen mit der ich dann gemeinsam auf dem Campus mittaggegessen habe - diesmal asiatisch (Brokkoli, Huhn, Reis) - war ganz gut.

Aber eigentlich war ich schon wieder in Eile um zur vorher angesprochenen ersten Kurseinheit von Database Management Systems II zu kommen. Die Professorin hat uns mitgeteilt, was sie so im Kurs machen wird: Transaktionsverarbeitung, objektorientierte Datenbanken, objektrelationale Datenbanken, embedded SQL, SQLJ, JDBC, Indexing, Query Optimierung, OLAP, Data Mining, Data Warehousing. Die gesamte Lehrveranstaltung beruht im grossen und ganzen auf dem Buch Databases and Transaction Processing von P.M. Lewis, A. Bernstein und M. Kifer. Ich konnte aber im grossen und ganzen nichts anderes erreichen, als mich in die Warteliste einzutragen - ich werde erst in einer Woche erfahren, ob ich den Kurs machen kann oder nicht :-(

Im Anschluss daran habe ich wieder einmal versucht, Prof. Araya in seiner Sprechstunde zu erreichen... und siehe da - er war auch da! Ich habe ihm erzählt, dass ich ein Austauschstudent hier bin, ihm schöne Grüße von einer Professorin der TU Wien Silvia Miksch ausgerichtet (sie kennen sich) und ihn eben gefragt, ob er mir eine Art Praktikum oder so im Bereich User Interface Design, Usability, Informationsvisualisierung anbieten kann. Er hat mich gleich gefragt, warum ich eigentlich gerade hier hergekommen bin und nicht nach Stanford gegangen bin (wäre doch viel besser) - haha, als ob ich das nicht getan hätte, wenns gegangen wäre. Auf jeden Fall hat er mir gesagt, dass dort oft Vorträge von wichtigen Leuten stattfinden, die ich besuchen könnte. Er hat mir dann nochmal gesagt, dass er dieses Semester keinen Kurs hält, aber zwei Diplomanden betreut, die so ziemlich seine ganze Zeit konsumieren und er mir eigentlich nicht wirklich was anbieten kann :-o Aber er wird überlegen, ob ihm nicht vielleicht noch was einfällt. Ok, Zeit für Plan B. Ich hab nämlich im Internet nach Publikationen von ihm gesucht und eine über interaktive Lernumgebungen gefunden... "Ich hab da eine Publikation von ihnen zum Thema interaktive Lernumgebungen gefunden, gibts da vielleicht etwas in diesem Bereich?" Antwort: "Das ist mittlerweile schon zwei Jahre her und eigentlich hab ich das Interesse an diesem Thema verloren, aber vielleicht fällt mir ja noch wase ein" :-( ... Ok, einen hab ich noch - Plan C: "Haben sie vielleicht Verbindungen zu irgendwelchen Firmen hier, bei denen ich in diesem Bereich etwas machen könnte?" Kurz und gut: nicht wirklich. Er wird aber versuchen mit Lee Brownston Kontakt aufzunehmen, der ein Forschungszentrum der NASA leitet - vielleicht ergibt sich ja da etwas... Naja irgendwie hab ich mir das ganz anders vorgestellt und seine Aussagen klangen alles anderes als vielversprechend :-(

Nachdem ich mich von diesem Schock einigermassen erholt hatte, bin ich zum nächsten Kurs namens Unix System Administration aufgebrochen um zu versuchen dort hineinzukommen. Als ich am Labor angekommen bin schwante mir aber schon Übles: ein ganzer Haufen Leute stand davor - aber gut - think positive - ich bin ja ein Graduate- und Austauschstudent und sollte daher Priorität vor Undergraduate Studenten haben. Natasha Khuri, die Lehrveranstaltungsleiterin, liess erstmal nur die Leute in das Labor, die bereits fix angemeldet waren. Und... es standen immer noch viel zu viele Leute vor der Tür - also wieder den Namen auf eine Warteliste schreiben. Nach ungefähr 20 Minuten kam Fr. Khuri dann aus dem Labor und hat sich die Liste mit ungefähr 30 Einträgen geschnappt. "Ich habe 5 freie Plätze und die Vergabe der Plätze erfolgt als Lotterie." Na supa... so a sch*!? Die im Labor sitzenden Studenten haben irgendwelche Nummern genannt, die dann reingekommen sind - und ich war nicht dabei :-( Wir können es ja beim nächsten Termin nochmal versuchen bzw. wird sie es dem Institut sagen, dass sie vielleicht noch einen zusätzlichen Termin anbieten.

Auf dem Weg zum Abendessen hab ich dann darüber nachgedacht, ob ich es beim nächsten Termin nochmal versuchen sollte oder nicht. Im Endeffekt hab ich mich dafür entschieden und bin eine Stunde später wieder vor dem selben Labor gestanden. Nur diesmal waren noch viel mehr Leute da :-( Genauer gesagt 40 Studenten und es gab einen freien Platz - no way to get in!

Na gut, aber einen hab ich noch... Dieser Kurs wird auch noch von jemandem anderen gehalten (Martie Broomin). Und dessen Sprechstunde hatte gerade begonnen - also bin ich dorthin gegangen. Auch ihm hab ich wieder die Story mit Austauschstudent, bla bla erzählt - ist ihm aber ziemlich am A*!? vorbei gegangen. Er hat mich gefragt, ob ich die Voraussetzungen erülle (Voraussetzung für diesen Kurs ist Fundamentals of Unix System Administration, wo es um grundlegende Tools, die Installation, usw. geht. Weil ich auf der Hauptuni in Wien einen Kurs besucht habe, der diese Themengebiete abgedeckt hat, dachte ich mir, es wäre kein Problem - falsch gedacht! "Es gibt so viele Studenten, die den Vorkurs schon besucht haben und jetzt diesen machen wollen bla bla bla." Ich könnte höchsten versuchen diesen zu besuchen. Dafür müsste ich aber eine Art Qualifizierungsprüfung machen, die morgen stattfindet. Zum Spottpreis von $ 25 US könne ich daran teilnehmen und würde dann nächste Woche erfahren, ob ich in den Vorkurs komme. Ich hab ihn dann noch gefragt, was denn Stoff für diese Vorprüfung sei und er hat mir das Buch gezeigt, dass Voraussetzung ist. Grundsätzlich weiss ich die Sachen die er aufgezählt hat, nur nicht auswendig und ich müsste mich auf jeden Fall darauf vorbereiten. In weniger als einem Tag? - No way! ... Damit ist auch dieser Kurs für mich gestorben - RIP :-(

Da ich im Anschluss 2 Stunden Pause hatte, bin ich zurück ins Studentenheim gegangen und habe mir zwei Folgen von Friends im Fernsehen reingezogen um mich wieder halbwegs von den Tiefschlägen zu erholen.

Um 20:30 Uhr hat dann der letzte Kurs für den heutigen Tag begonnen. Diesmal einer für den ich bereits registriert bin, Computer Networks, den ich aber eigentlich nicht machen wollte, weil ich daheim bereits einen ähnlichen besucht habe. Wenn ich jedoch in keine anderen Kurse reinkomme werd ich den aber wohl oder übel nehmen müssen. Mit der Ausnahme des Vortragenden Paul Sanghera war der Kurs bzw. die Vorschau auf die behandelten Themen ganz interessant. Dafür war der Vortragsstil umso schlimmer: Ich habe auf der TU im vorigen Semester die Lehrveranstaltung "Didaktik in der Informatik" besucht, indem der Professor einen Beispielvortrag gehalten hat in dem er alles falsch bzw. schlecht gemacht hat was man so machen kann. Und genau an das hat mich dieser Kurs erinnert: Der Vortragende kommt rein und sagt kein Wort ... er richtet sich seine Sachen her (Overheadprojektor usw.) und sagt noch immer kein Wort. Irgendwann beginnt er dann doch ziemlich undeutlich und leise zu sprechen bzw. besser gesagt zu murmeln. Kurz gesagt - der Vortragsstil ist unter jeder Sa*. Und die Minuten scheinen endlos zu werden. Gott sei Dank haben wir heute früher aufgehört, ich kann nur hoffen, dass es besser wird.

Wieder zurück im Studentenheim gabs eine kurze Einführung in die Benutzungsregeln des Computerraums. Danach hab ich mich daran gemacht, mein Programmierprojekt für Advanced Topics in Computer Science fertigzustellen - und es funktioniert sogar! Wenigstens ein Erfolgserlebnis heute...

Ja, im grossen und ganzen war der ganze Tag ziemlich niederschmetternd. Ich hoffe, dass ich wenigstens in den Datenbankkurs reinkomme und evt. den Kurs User Interface Design for Information Systems besuchen kann, der nächste Woche beginnt.

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Autor: Wolfgang Aigner

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